Das Sprüh – oder Sprayhalsband – ein Hilfsmittel für die Hundeerziehung?

Definition und Funktionsweise des Halsbandes

Ein Sprühhalsband ähnelt optisch einem gewöhnlichen Halsband, ist größenverstellbar und ergonomisch geformt. Daran ist ein Sensor befestigt, der ein Gemisch aus Flüssigkeit (Wasser oder Duftstoffe) und Luft abgibt. Das Halsband ist wieder befüllbar und kann dementsprechend natürlich wieder verwendet werden. Diese Halsbänder sind als batteriebetriebene Variante erhältlich, oder als mit USB-Ladekabel aufladbare Variante.

Hinsichtlich der Funktionsweise werden zwei Varianten unterschieden. Die automatische Variante reagiert auf ein akustisches Signal, meist ein Bellen des Hundes, und gibt in Folge dessen einen Sprühstoß mit Flüssigkeit in Richtung Hundenase ab. Damit verbunden ist meist ein Pfeifen, welches durch den Druck entsteht und den Vierbeiner zusätzlich erschrecken soll.

Bei der ferngesteuerten Variante reagiert der Sensor auf den Befehl durch den Halter. Dieser bestimmt also, wann der Hund „bestraft“ werden soll. Die Einsatzmöglíchkeiten sind hier vielfältiger, da nicht nur das Bellen unterbunden werden kann, sondern auch anderes unerwünschtes Verhalten wie Urinieren, Absetzen von Kot oder Ignorieren des Rückrufkommandos.

Die Funktionsweise basiert also auf dem Bestrafen von unerwünschten Verhaltensweisen, welches dazu führen soll, dass der Hund dieses Verhalten abbricht und dieses Fehlverhalten künftig aus Angst vor der damit verknüpften Bestrafung nicht mehr an den Tag legt.

Probleme und Kritik

Das Sprühhalsband wird für gewöhnlich als harmlose Variante des hierzulande verbotenen Strom- oder Elektrohalsbandes beworben. Es wird von verschiedenen Fachleuten jedoch nur insofern als harmlos angesehen, als dass es dem Hund keine körperlichen Schmerzen bereitet. Dass der Einsatz eines Sprayhalsbandes trotzdem mit diversen Schwierigkeiten behaftet sein kann, hat eine Reihe von Gründen, auf die im folgenden näher eingegangen werden soll.

Erstens ist die Zeitspanne, in der ein Hund einen Reiz mit einem bestimmten Verhalten verknüpft, extrem kurz. Man spricht von maximal einer Sekunde. Die automatische Variante des Halsbandes gibt diesen Reiz jedoch häufig zu spät ab, so dass das Tier keine sinnvolle Assoziation mit seinem Fehlverhalten mehr herstellen kann. Im schlimmsten Fall stellt er sogar eine falsche Verknüpfung her, was in der Folgezeit zu Verwirrung, Frustration und Angst führen kann. Auch bei der ferngesteuerten Methode passiert es nur allzu oft, dass der Tierhalter viel zu langsam oder überhaupt nicht reagiert, was den Trainingseffekt wirkungslos verpuffen lässt oder kontraproduktiv auf diesen wirkt. Als Beispiel sei genannt, dass der Hund aufgrund der zu langen Reaktionszeit die Bestrafung dann mit der zufälligen Anwesenheit eines Radfahrers, Joggers oder eines anderen Hundes verknüpft und zu diesen dann ein negatives Gefühl entwickelt.

Zweitens – und dieses Problem betrifft die automatisch reagierenden Halsbänder – muss man wissen, dass das Bellen eines Hundes ja grundsätzlich zum normalen Verhalten gehört, sofern es nicht übertrieben ist. Bellt der Hund also aus einem logischen Grund, wird dieser genauso bestraft wie wenn er aus einem unlogischen Grund heraus bellt. Dies führt ebenfalls zu Verwirrung und zu einem gestörten Vertrauensverhältnis zum Menschen.

Zudem kommt es vor, dass die Halsbänder auch reagieren können, wenn ein anderer Hund in der Nähe bellt, was zur völlig ungerechtfertigten Bestrafung des „Zielhundes“ führt. Dieser wird die Welt nicht mehr verstehen und kann im schlimmsten Fall völlig verängstigt und hilflos reagieren.

Fazit

Auch wenn Sprühhalsbänder bei manchen Hunden als letzte Option Sinn machen können, etwa, weil schon verschiedene andere Dinge ausprobiert wurden oder diese Hunde generell problematisch sind, sind doch andere Erziehungsmethoden vorrangig anzuwenden. Wenn der Hund nicht körperlich und psychisch gesund ist, raten Experten ohnehin von der Anwendung eines Sprühhalsbandes ab.

Tendenziell setzt sich in der Hundeerziehung ohnehin ein Erziehungsstil durch, der erwünschtes Verhalten belohnt, und unerwünschtes Verhalten ignoriert, so dass der Hund dazu neigen wird, mittelfristig „umzudenken“.

Das Sprühhalsband mag also in Einzelfällen seine Daseinsberechtigung haben, es sollte jedoch mit größter Sorgfalt und am besten unter fachmännischer Anleitung angewandt werden. Zu empfehlen ist aber primär ein sinnvoll aufgebautes und strukturiertes Hundetraining auf Belohnungsbasis.